Mighty Sounds 2017

Tja, hab lange überlegt ob ich darüber schreiben soll oder nicht. Aber warum eigentlich nicht.

Vor geraumer Zeit kaufte ich mir eine Karte für das Mighty Sounds Festival in Tabor, Tschechien. Ich wusste im Vorfeld auch, das wahrscheinlich keiner mitfahren würde, ich aber dort unbedingt hin wollte, da Bands wie Agnostic Front und H2O dieses Jahr dort spielen würden. Es war mir egal... Irgendwie hab ich es dann sogar noch geschafft, mein normales Ticket gegen einen Fotopass, inklusive der damit verbundenen Akkreditierung, zu ergattern. Dem Veranstalter hatten meine Bilder gefallen, worauf hin er mir diese Möglichkeit angeboten hatte. Geil, dachte ich...machste halt noch nebenbei Bilder von deinen "Idolen".

Und dann war es soweit. Meine Reise konnte beginnen. Mit einem mulmigen Gefühl bestieg ich mein supertolles Auto, einen Golf 3, übersät von Rostflecken, klapprig und einem Wert für den man nicht mal ne Kompaktkamera kaufen könnte. Egal, vier Stunden später (und einem gefühlten Bandscheibenvorfall) später war ich da. Im Gepäck jede Menge Bock auf Fotos, meine kleine Sony A6000 und vier Festbrennweiten. Einmal das Sigma Art 19mm/2.8, das Sigma Art 30mm/2.8, ein "adapiertes" Canon 50mm/1.4, sowie das Samyang 85mm/1.4.

Da der Tscheche wie immer sehr freundlich und unkompliziert war, fand ich mich kurze Zeit später, stolz. mit Fotopass um den Hals, auf dem Festivalgelände wieder.

Was soll ich sagen? Wer schon mal allein unterwegs war, weiß wie verloren man sich am Anfang vorkommt. Um den ganzen Gedanken etwas auszuweichen stürzte ich ich mich sofort in meine fotografische Tätigkeit. Schließlich wollte ich alles fotografieren und vor allem tolle Bilder machen, um auch bei anderen Festival "eingeladen" zu werden. Als "Konzertfotograf" hat man die Möglichkeit die ersten drei Songs jeder Band aus dem Graben zu fotografieren. Auf gings also, zum Mighty Stage, wo Itchy gleich spielen würde. Wie mir bereits vorher klar war, würde ich sicher belächelt werden, wenn ich mit meiner kleinen Sony A6000 und der adaptierten Canon Festbrennweite vor der Bühne auftauchte. War auch so, aber es war mir ehrlich gesagt wurscht... Das Bild macht schließlich immernoch der der hinter der Kamera steht, und nicht die Kamera. Und von einigen kleinen Konzerten vorher wusste ich das mit  meiner Kamera auch abends im Dunkeln noch gute Fotos möglich sind. Aber im ersten Moment fühlst du dich wie bei "Hase und Igel". Und los gings! Was Itchy da an Show ablieferten war beeindruckend. So war es ein leichtes davon tolle Bilder (siehe Galerie unten) zu machen. Glücklich verließ ich nach den ersten 3 Songs den Graben. Ich setzte mich irgenwo an die Seite um kurz relaxen. Beim Blick auf mein Handy sah ich eine Nachricht von einem Bekannten. Dieser arbeitet in irgendeiner Funktion im Tourmanagement für die Europatouren von H2O. Ich war immer sehr neidisch seine Bilder zu sehen, die er machte, wenn er mit der Band zusammen durch Europa tourte. In besagter Nachricht schrieb er: "grüße...mach paar schöne Bilder von H2O" und "Kannst du nur die ersten drei Songs aus dem Graben fotografieren, oder alle?"

Ich antwortete: "Mach ich, deswegen bin ich ja da. Leider nur die ersten 3 Songs. Für mehr müsstet du mich mit auf die Bühne holen :)))". "Kriegen wir hin" war seine Antwort. Ich wischte mir die Augen und musste dreimal lesen was da stand. Ich bin H2O auf der Bühne? Oh mein Gott, wie geil...Zum Glück hatte ich bei Itchy genügend Fotos gemacht, um zu wissen welche Einstellungen bei dem gerade vorherrschenden Licht notwendig war, um gute Bilder zu machen. Gegen 21.10 Uhr war es dann soweit. Auf in den Graben, um die ersten 3 Songs von H2O zu fotografieren. Wiederrum sah ich die skeptischen Blicke der anderen Fotografen, welche noch skeptischer bzw. fassungsloser wurde, als ich tatsächlich nach drei Songs abgeholt wurde, um mit auf die Bühne zu gehen. Die Gesichter.... unbezahlbar :D :D :D !!! Es folgte eine mega Show der Band, und das dabei gute Fotos rumkommen war für mich fast selbstverständlich. So genoss ich, nach anfänglichen schlotternden Knien, die Show und bin mir sicher gute Foto geschossen zu haben. Was für ein Erlebnis!

Den Abend verbrachte ich noch bei weiteren "kleineren" Bands, machte Fotos, erkundete das Gelände und fuhr schließlich gegen eins in meine Unterkunft. Über die Gastfreundschaft der Tschechen brauch ich nicht weiter zu sprechen. Die ist immer wieder toll!

Tag zwei brach an. Gegen Mittag machte ich mich auf in Richtung Festivalgelände. Auf der An- und Abreise zum Gelände würde auch der Zustand meines Autos sicher nicht besser werden. Na ja hat ja durchgehalten die alte Möhre. Ein Wahnsinn ist was unsere Nachbarn auf die Beine stellen bei so einem Event. Ein Gelände voll mit allem was man für so ein Wochenende braucht. Gutes, günstiges Essen, Merch, ne Halfpipe, ein Zirkuszelt, Volleyball, Fußball....und, und, und... und alles voller lustiger Leute. Alles ohne Stress, Schlägereien oder Ähnlichem.

Heute spielten neben bekannten tschechische Bands (muss man mögen), auch Bands wie All for Nothing, Travis O´Neill und Cock Sparrer. Ich begann meinen Tag mit Fotografieren kleiner Hardcore- und Punkbands, welche wirklich gut waren und sich stellenweise als erstaunliche Sprungkünstler herrausstellten, wie zum Beispiel P.O. Box, einer Reggea/ Rock Combo aus Frankreich. Stark was die Jungs und Mädels da zum Besten gaben. Gegen sieben gings dann auf zum kleinen Lucky Hazzard Stage, bei  dem Travis O´Neill spielen sollte, ein Countrysänger aus Prag. Country? Hat der Kuckuck noch alle Latten am Zaun? Glaubt mir, Travis is ne Hausnummer. Was er und seine Jungs da durch die Boxen schießen hat nicht viel mit Country zu tun. Ein Mix aux countrylastigem Gitarrenrock, gepaart mit einer mega Stimme und einer unheimlich Bühnenpräsenz. Eigentlich wollten wir uns danach auf ein Bier treffen, aber wir haben uns auf dem Gelände nicht finden können. Ein Vergleich zur Suche nach der  Nadel im Heuhaufen kommt dem ganzen ziemlich nahe. Egal, schließlich spielten gleich All for Nothing, einer niederländischen Hardcoreband, welche bestimmt mit Wohnwagen angereist war :). In der untergehenden Sonne gelangen mir dann auch echt tolle Fotos der holländischen "Sprungcombo". Das Gebrüll einer Frau, untermalt mit Gitarrenriffen im Sonnenuntergang hat schon was ;). Mein abendliches Highlight waren allerdings Cock Sparrer. Eine Skinheadband, na klar, aus England und Helden meiner Jugend. Die Herren machen seit 42(!) Jahren zusammen Musik. Nach den ersten Songs im Graben begab ich mich mit einem Bier zu einer etwas weiter hinten liegenden Empore für Fotografen, setzte mich, und genoss den Abend bei Bier und guter Musik.

Am dritten und letzten Tag des Festivals fieberte ich vorallem dem Auftritt von Agnostic Front, am Abend, entgegen. Der Tag startete wie am Vortag mit einem monstermäßigem Frühstück bei meinen Gastgebern. Gegen eins verließ ich meine Unterkunft und machte mich auf den Weg. Bereits am Nachmittag erwarteten mich Hardcorebands wie Howl und Hopes. Und natürlich wurde ich nicht enttäuscht. Circlepit, tolle Leute und laute Musik, ein Traum. Ein unbeschreibliches Gefühl begleitete mich jedesmal wenn ich im Graben stand zum fotografieren. Du turnst dort direkt vor den Boxen rum, und hast das Gefühl regelrecht weggeblasen zu werden. Gesund oder nicht, es ist einfach wow ;) Für diesen Tag hatte ich mir außerdem vorgenommen, auch ein wenig mehr vom Gelände und seinen Besuchern zu knipsen. Eine wahre Freude für jeden Fotoenthusiasten. Motive über Motive. Es folgten weiter Auftritte diverser Rockabilly und Skabands. Damit verging die Zeit wie im Flug und schnell wurde es Abend. 21.10 Uhr war es soweit. Der Auftritt der Hardcorelegenden Roger Miret und Vinnie Stigma und ihrer Band Agnostic Front. Ich brauch dazu glaub ich nicht wirklich viel zu sagen. Ein Robbie Williams Fan hätte nen Ständer wenn er ihn, von einem Meter Entfernung, fotografieren dürfte. Warum sollte mir es also anders gehen? Und was Agnostic Front da an Power und Enerigie durch die Anlage jagt, hätte maximal Lemmy Kilmister von Motörhead toppen können. Roger ist 53 und Vinnie sogar 61. Chapeau, die Herren! In dem Alter möcht ich mal einige von uns sehen. Nach drei Liedern begab ich mich ins Publikum und versuchte aus vorderster Front nach ein paar Bilder zu machen. Wer schon mal bei nem Hardcorekonzert war (also so richtig, nicht hinten irgendwo rumlungern) weiß was in Bühnennähe abgeht, und das das mitunter fatal für Mensch und Technik ausgehen kann :D. Na ja, selbstgewähltes Leid. Paar Bilder sind ja doch geworden. Die letzten Songs genoss ich dan wieder im Sitzen auf der Empore bei einem Bier und ließ mich berieseln. Nach AF spielten dann im Anschluß noch Ignite. Ich machte wie immer die ersten Songs lang Bilder, brachte schnell die Kamera zu Auto, und genoß die restlichen Show im Moshpit. Einmal "tanzen" is schließlich Pflicht ;)

Tja, was soll ich sagen, eine Stunde später saß ich im Auto und war auf dem Heimweg. Völlig geflasht von den vergangenen Stunden und Tagen, schaffte ich es nicht mal mehr mir Gedanken zu machen über den bedenklichen Zustand meines Autos. :) 03.00 Uhr waren ich und mein, trotz allem, zuverläßiger Hobel wieder wohlbehalten zurück im Gebirge!

 

Für was das ganze gut war? Keine Ahnung. Hoffentlich ein weiterer Schritt in Richtung Berufsfotograf. Aber selbst wenn nicht, war es eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. Und schließlich leb ich nur einmal und versuche alle meine Träume zu verwirklichen!!! Und wer kann das schon von sich behaupten? in diesem Sinne.....

 

love it or hate it! this is hardcore

 

PS.: Schau und beurteile selbst, ob man mit einer kleinen Sony Alpha 6000 gute Konzertfotos machen kann!

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